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Weitere Informationen#22 Bridging Brands, Saddle Fitters, Horses and Riders: Behind the Scenes of Saddle Summit | mit Anne van Boxtel
In dieser Folge von SattelPRO spreche ich mit Anne van Boxtel, Master Saddle Fitterin aus den Niederlanden und Gründerin des Saddle Summit sowie des Equine Saddle Fitting Specialist Trainingsprogramms. Gemeinsam tauchen wir tief in die Frage ein, wie modernes Sattelfitting, Ausbildung und interdisziplinäre Zusammenarbeit wirklich aussehen sollten.
Wir sprechen darüber, warum klassische Messen oft zu statisch sind und weshalb der Saddle Summit bewusst als hands-on Event mit echten Pferden, direkter Praxis und engem Austausch zwischen Saddle Fittern, Herstellern und Fachleuten konzipiert wurde. Besonders spannend ist Annes Perspektive auf die Rolle des Saddle Fitters als zentrale Schnittstelle zwischen Marke, Pferd und Reiter – und warum Kommunikation, Erwartungsmanagement und proaktive Betreuung entscheidend für langfristige Lösungen sind.
Ein weiterer Fokus liegt auf Ausbildung: Wie verbindet man Theorie (Biomechanik, Anatomie, Reiter- und Pferdeanalyse) sinnvoll mit praktischer Erfahrung? Und warum ist ein ganzheitlicher Blick auf Training, Nutzung, Muskulatur und Management essenziell für eine fundierte Sattelbeurteilung?
Für dich bedeutet diese Folge: ein differenzierter Blick hinter die Kulissen der Sattelfitting-Branche, neue Impulse für interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein klarer wissenschaftlich-praktischer Zugang zu nachhaltigem Sattelfitting.
In this episode, I am joined by Anne van Boxtel, Master Saddle Fitter from the Netherlands and founder of the Saddle Summit as well as the Equine Saddle Fitting Specialist training program. Together, we explore what modern saddle fitting, education, and interdisciplinary collaboration should truly look like in practice.
We discuss why traditional trade shows are often too static and how the Saddle Summit was intentionally designed as a hands-on event with real horses, practical demonstrations, and direct communication between saddle fitters, manufacturers, and professionals. One key insight is the role of the saddle fitter as the crucial link between brand, horse, and rider — and why communication, expectation management, and proactive follow-ups are essential for sustainable outcomes.
Another major focus is education: How can theoretical knowledge such as biomechanics, anatomy, and rider-horse analysis be effectively integrated into practical training? And why is a holistic understanding of workload, management, muscle development, and riding context indispensable for accurate saddle evaluation?
For listeners, this episode offers a deeper, evidence-informed perspective on saddle fitting, valuable insights into professional education, and practical takeaways for improving interdisciplinary collaboration in equine practice.
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Saddle Summit, Ausbildung und modernes Sattelfitting
Warum Hands-on Erfahrung, Kommunikation und Wissenschaft zusammengehören
Die Sattelbranche befindet sich im Wandel. Während früher vor allem statische Beurteilungen, kurze Termine und klassische Messen im Fokus standen, wird heute immer deutlicher: Fundiertes Sattelfitting braucht mehr – mehr Tiefe, mehr interdisziplinären Austausch und vor allem mehr praktische Erfahrung am Pferd.
In dieser Podcastfolge spreche ich mit Anne van Boxtel, Master Saddle Fitterin aus den Niederlanden und Gründerin des Saddle Summit sowie eines spezialisierten Ausbildungsprogramms im Sattelfitting. Gemeinsam werfen wir einen differenzierten Blick hinter die Kulissen der Branche und diskutieren, wie moderne Ausbildung, evidenzbasiertes Arbeiten und echte Praxiserfahrung sinnvoll miteinander verbunden werden können.
Der Saddle Summit: Ein neues Eventformat für die Praxis
Ein zentraler Schwerpunkt unseres Gesprächs ist der Saddle Summit – ein bewusst anders konzipiertes Event rund um Sattelfitting. Anders als klassische Fachmessen, die oft stark produkt- und präsentationsorientiert sind, steht hier die praktische, hands-on Erfahrung im Mittelpunkt.
Das Besondere:
Sättel werden nicht nur präsentiert, sondern direkt am Pferd analysiert, aufgelegt und im Kontext realer Bewegungs- und Nutzungssituationen betrachtet. Saddle Fitter, Hersteller und Fachleute kommen in direkten Austausch – nicht abstrakt, sondern unmittelbar an der Schnittstelle zwischen Pferd, Sattel und Reiter.
Gerade diese Praxisnähe schafft ein deutlich tieferes Verständnis als rein statische Präsentationen. Man spürt, wie ein Sattel liegt, erkennt Unterschiede zwischen Pferdetypen und bekommt ein realistischeres Bild von Passform, Kompatibilität und Funktion.
Warum klassische Formate oft zu statisch sind
Ein wichtiger Punkt im Gespräch war die Kritik an traditionellen Messen und Trade Shows. Dort treffen zwar viele Fachpersonen aufeinander, doch der Austausch bleibt häufig oberflächlich und losgelöst von der tatsächlichen Anwendung am Pferd.
Aus fachlicher Sicht ist genau das ein Problem:
Sattelfitting ist kein theoretisches Konzept, sondern ein hochkomplexer, dynamischer Prozess. Ohne den direkten Bezug zum Pferd – seiner Anatomie, Muskulatur, Trainingssituation und Nutzung – bleibt jede Beurteilung unvollständig.
Ein immersives Format, bei dem echte Pferde, unterschiedliche Satteltypen und reale Fragestellungen zusammenkommen, ermöglicht dagegen ein deutlich tieferes Lernen und ein praxisnahes Verständnis.
Die zentrale Rolle des Saddle Fitters als Schnittstelle
Ein besonders spannender Aspekt war die Rolle des Saddle Fitters als Bindeglied zwischen:
- Hersteller
- Reiter:innen
- Trainer:innen
- Therapeut:innen
- und natürlich dem Pferd
In der Praxis wird häufig die Marke verantwortlich gemacht, wenn ein Sattel nicht funktioniert. Tatsächlich liegt die entscheidende Schnittstelle jedoch oft im Service – also im Sattelfitting selbst. Der Saddle Fitter übersetzt technische Eigenschaften in praktische Anwendung und muss komplexe Zusammenhänge verständlich kommunizieren.
Damit wird klar: Fachwissen allein reicht nicht aus. Kommunikation, Erwartungsmanagement und Beratungskompetenz sind essenzielle Bestandteile professionellen Sattelfittings.
Proaktiv statt reaktiv: Ein Paradigmenwechsel im Sattelfitting
Ein wiederkehrendes Thema war die Tendenz zu reaktiven statt proaktiven Anpassungen. Häufig wird ein Saddle Fitter erst dann gerufen, wenn bereits Probleme bestehen – etwa Leistungsabfall, Verspannungen oder Rittigkeitsprobleme.
Aus wissenschaftlich-praktischer Perspektive ist das suboptimal.
Gerade junge Pferde, Pferde im Trainingsaufbau oder in intensiven Entwicklungsphasen profitieren von regelmäßigen, präventiven Kontrollen. Veränderungen in Muskulatur, Training oder Management wirken sich unmittelbar auf die Sattelpassform aus.
Ein proaktiver Ansatz bedeutet:
- regelmäßige Re-Evaluation
- transparente Aufklärung der Besitzer:innen
- realistische Erwartungssteuerung
- langfristige Betreuung statt punktueller Intervention
Ausbildung im Sattelfitting: Theorie trifft Praxis
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Ausbildung zukünftiger Saddle Fitter. Moderne Programme kombinieren zunehmend:
- Online-Theorie (Biomechanik, Anatomie, Reiteranalyse)
- praktische Trainingstage am Pferd
- Fallanalysen und interdisziplinäre Perspektiven
Diese Kombination ist entscheidend, denn Sattelfitting lässt sich nicht rein theoretisch erlernen. Erst durch praktische Erfahrung entsteht ein echtes Verständnis für Druckverteilung, Bewegung, Kompensationsmuster und funktionelle Zusammenhänge.
Gleichzeitig wurde deutlich:
Nach einer Ausbildung ist man nicht „fertig“, sondern steht am Anfang eines kontinuierlichen Lernprozesses – vergleichbar mit vielen anderen komplexen Fachdisziplinen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel zur Pferdegesundheit
Ein fundiertes Sattelfitting kann nicht isoliert betrachtet werden. Training, Hufbearbeitung, Reiterbalance, Nutzungshäufigkeit und physiotherapeutische Aspekte beeinflussen die Sattelsituation maßgeblich.
Deshalb ist die Kommunikation zwischen verschiedenen Berufsgruppen essenziell:
- Tierärzt:innen
- Therapeut:innen
- Trainer:innen
- Saddle Fitter
- und Reiter:innen
Wenn diese Disziplinen „unterschiedliche Sprachen“ sprechen, entstehen Missverständnisse – und im schlimmsten Fall langfristige Probleme für das Pferd. Ein interdisziplinärer Austausch, wie er beim Saddle Summit gezielt gefördert wird, kann hier eine wichtige Brücke schlagen.
Statische vs. dynamische Analyse: Ein wissenschaftlich fundierter Blick
Im Gespräch wurde auch die Bedeutung der strukturierten Analyse hervorgehoben.
Aus fachlicher Sicht liefert die statische Beurteilung zunächst grundlegende Informationen über Passform, Auflagefläche und Druckverteilung. Erst darauf aufbauend sollte die dynamische Evaluation erfolgen, die zusätzliche Aspekte wie Gangbild, Reiterbiomechanik und Bewegungsabläufe einbezieht.
Beide Ebenen sind notwendig – jedoch in der richtigen Reihenfolge und mit einem klaren methodischen Verständnis.
Fazit: Die Zukunft des Sattelfittings ist ganzheitlich
Die Folge zeigt deutlich, dass sich professionelles Sattelfitting zunehmend von rein produktorientierten Ansätzen hin zu einem ganzheitlichen, evidenzbasierten Verständnis entwickelt.
Hands-on Erfahrung, fundierte Ausbildung, interdisziplinäre Kommunikation und ein proaktiver Betreuungsansatz bilden dabei die Grundlage für nachhaltige Lösungen – sowohl für die Leistungsfähigkeit als auch für das Wohlbefinden des Pferdes.
Für Fachpersonen in der Pferdebranche bedeutet das:
Wer Sattelfitting wirklich verstehen will, muss über den Sattel hinausdenken – und Anatomie, Biomechanik, Training, Management und Kommunikation als zusammenhängendes System betrachten. Genau dort öffnet sich die „Black Box Sattel“ im Sinne einer wissenschaftlich fundierten Praxis.



